Quantenphysik im Alltag – Wie Forschung unsere Lebenswelt prägt
von Tanja Dettmering
Am Dienstag, den 31. März 2026, begaben sich 29 interessierte Schülerinnen und Schüler unserer Schule auf eine besondere Reise – nicht nur nach Saint-Cloud, sondern auch mitten hinein in die faszinierende Welt der Quantenphysik. Begleitet wurden sie dabei von ihren Lehrkräften Tanja Dettmering und Dieter Cruetzburg.
Im Carré de Saint-Cloud nahmen sie gemeinsam mit Lernenden verschiedener französischer Lycées an einer wissenschaftlichen Konferenz teil, die vollständig in französischer Sprache stattfand. Referent war der Quantenphysiker Dr. Charles Antoine vom CNRS (Centre national de la recherche scientifique), einer der ersten „Ambassadeurs de médiation scientifique“, deren Ziel es ist, aktuelle Forschung für ein breites Publikum verständlich und zugänglich zu machen.
Und genau das gelang ihm eindrucksvoll: Mit großer Begeisterung und anschaulichen Beispielen nahm Dr. Antoine sein Publikum mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der modernen Physik – von den bahnbrechenden Ideen Albert Einsteins und Erwin Schrödingers bis hin zu aktuellen Entwicklungen rund um Quantencomputer, Kryptographie und Informationsübertragung. Inhaltlich strukturierte er seinen Vortrag anhand zentraler Grundkonzepte der Quantenphysik, die er anschaulich erklärte: die Quantisierung, den fundamentalen Zufall, die Welle-Teilchen-Dualität, die Superposition sowie die Verschränkung. Diese Konzepte halfen den Schülerinnen und Schülern, auch komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen.
Dabei gewährte er auch einen faszinierenden Einblick in die Funktionsweise eines Quantencomputers und lüftete gewissermaßen das „Geheimnis der Qubits“: Anders als klassische Bits besitzen Qubits keinen festen Zustand von 0 oder 1, sondern befinden sich in einer Überlagerung (Superposition) verschiedener Zustände. Erst durch die Messung „entscheidet“ sich ein konkreter Wert – ein Prozess, der eng mit dem Phänomen der Verschränkung verbunden ist und die Grundlage der Quanteninformatik bildet.
Besonders eindrucksvoll war dabei auch der Bezug zur aktuellen Forschung in Frankreich: Mit Physikern wie Alain Aspect, Anne L’Huillier und Pierre Agostini, die in den letzten Jahren mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, sowie Forschern wie Michel Devoret wurde die internationale Bedeutung der Quantenforschung eindrucksvoll unterstrichen.
Dabei wurde schnell deutlich: Quantenphysik ist längst keine abstrakte Theorie mehr, sondern prägt unseren Alltag in vielerlei Hinsicht – sei es in der Navigation über GPS, in modernen Kommunikationstechnologien oder in zukünftigen Anwendungen der künstlichen Intelligenz.
Besonders spannend war für viele Schülerinnen und Schüler, wie eng Wissenschaft mit anderen Bereichen verknüpft ist. Dr. Antoine zeigte eindrucksvoll, dass Quantenphysik nicht nur ein naturwissenschaftliches, sondern auch ein kulturelles und philosophisches Thema ist. In seinem Ansatz verbindet er Forschung sogar mit Kunst und eröffnet so ganz neue Zugänge zu komplexen Inhalten.
Auch die aktive Beteiligung unserer Schülerinnen und Schüler machte die Veranstaltung zu einem echten Erlebnis: Marike von Borstel stellte eine fundierte Frage zur möglichen Entdeckung neuer Elementarteilchen, die vom Referenten ausdrücklich gewürdigt wurde. Gabriel Seufert griff eine der zentralen Fragen der modernen Physik auf und fragte, ob eine Beschleunigung der Informationsübertragung durch quantenphysikalische Effekte – insbesondere im Hinblick auf die Lichtgeschwindigkeit – möglich sei. Die Antwort zeigte eindrucksvoll, wie eng physikalische Erkenntnisse mit den Grenzen von Messbarkeit und Interpretation verknüpft sind.
Besonders eindrücklich beschrieben die Schülerinnen und Schüler auch die Begeisterung des Referenten selbst: Dr. Antoine vermittelte seine große persönliche Leidenschaft für die Quantenphysik und versuchte, diese spürbar auf sein Publikum zu übertragen. Gleichzeitig zeigte er konkrete Studien- und Karrierewege auf und betonte, dass in diesem Zukunftsfeld derzeit deutlich mehr Fachkräfte benötigt werden, als zur Verfügung stehen.
Dabei hob er hervor, dass nicht nur spezialisierte Quantenphysikerinnen und -physiker gefragt sind, sondern ganz unterschiedliche Kompetenzen – von Technik und Informatik bis hin zu Recht, Ethik, Gestaltung und Kommunikation.
Die Teilnahme an der Konferenz erfolgte im Rahmen unserer deutsch-französischen Bildungskooperationen und stellt einen wichtigen Beitrag zur Förderung sowohl naturwissenschaftlicher als auch interkultureller Kompetenzen dar.
Zum Abschluss öffnete Dr. Antoine noch einmal den Blick auf die großen offenen Fragen der Physik: Rund 95 % des Universums bestehen aus dunkler Materie und dunkler Energie – Phänomene, die bis heute nur unzureichend verstanden sind und die Forschung weiterhin vor große Herausforderungen stellen.
Das Fazit der Teilnehmenden war eindeutig: Ein solcher Tag sollte unbedingt wiederholt werden.
Oder, um es mit den Worten von Albert Einstein zu sagen:
„We cannot solve our problems with the same thinking we used when we created them.“
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