iDSP. Internationale Deutsche Schule Paris

Treffen mit Dolmetschern des Europäischen Parlaments

Am Samstag,  23 November 2013, traf ich im „Salon Européen de l’Éducation“  die französischen Dolmetscher des Europäischen Parlaments. Herr Metz, zuständiger Lehrer für Berufsinformation und Orientierung,  hatte uns auf dieses Ereignis hingewiesen und angekündigt, dass wir die Möglichkeit hätten, selber einmal das simultane Dolmetschen auszuprobieren. Das tat auch ich bei dem Stand des Europäischen Parlaments: mit der professionellen Ausstattung musste ich einen strukturierten Sachtext über das Thema „Schlaf“ vom Französischen ins Deutsche übersetzen.

Kopfhörer um die Worte auf Französisch zu hören, ein Mikrophon um meine deutsche Übersetzung auszusprechen und das Video einer Dame, die über Schlaf berichtete, lieferten mir fast dieselben Umstände, unter welchen die professionellen Dolmetscher im Europaparlament arbeiten. Auch ich saß in einer Glaskabine und meine Übersetzung konnte außerhalb dieser Kabine mit Kopfhörern angehört  werden. 

Beim Reinhören in meine Übersetzungsversuche hätte man denken können, dass es ein technisches Problem gäbe oder einen verständlichen Grund weshalb man ewig nichts hören konnte. Es handelte sich allerdings nicht um ein technisches Problem sondern lediglich um mein Stocken beim Übersetzen. Während die Dame aus dem Video mir durchgängig etwas zu dem Thema Schlaf berichtete, versuchte ich ihr zuzuhören, es dabei  ins Deutsche zu übersetzen, meine Übersetzung in richtiger deutscher Satzstellung auszusprechen und dabei die ständig folgenden Sätze der Dame anzuhören um auch diese zu übersetzen, in richtiger Satzstellung auszusprechen und wieder und wieder Ihr zuzuhören um alles weitere in meiner Muttersprache zu sagen. Dieser Prozess wurde bei mir ständig aus verschiedenen Gründen unterbrochen: einerseits konnte ich nicht immer der Dame zuhören während ich selber sprach. Außerdem bemerkte ich in meinem Deutsch kleine oder auch größere grammatikalische Fehler, die ich sonst nie machen würde.

Wenn ich einmal gestoppt hatte, wäre es theoretisch nicht besonders schwer wieder reinzukommen, indem man der Dame zuhört und den Übersetzungsprozess wieder beginnt.

Bei mir selber war das praktisch gar nicht so einfach umsetzbar: Auf einen eigenen grammatikalischen Fehler hin stellte ich mir selber Fragen, wie es sprachgeschichtlich zu der korrekten deutschen Konstellation kommt oder wieso ich gerade diesen lustigen Fehler auf Deutsch gemacht habe. Wenn ich einfach die Dame nicht hörte, weil ich selber sprach, fragte ich mich ganz philosophisch wieso die Menschen nicht einfach Französisch verstehen, wieso es Sprachen gibt oder ob nicht alles was ich sage gerade irgendwelche Laute sind aus denen meine Zuhörer sich vorstellen Informationen zu bekommen. Auf alle Fälle war ich äußerst gut darin, mich schnell mit eigenen Gedanken abzulenken und es kam immer wieder dazu,  dass ich einfach lachen musste, den Originaltext und meine eigene Übersetzung verpasste.

Nach dem zwei-minütigen Versuch sich auf das Übersetzen ohne eigene Gedanken zu konzentrieren unterhielt ich mich noch mit Herrn Levenheck, dem Leiter der Französischen Übersetzter im Europäischen Parlament. Er schien nicht so entsetzt über meine unprofessionelle Übersetzung sondern äußerte sich positiv zu meinem Versuch.

Im persönliche Gespräch erhielt ich wertvolle Einblicke in den Alltag eines Dolmetschers im Europäischen Parlament  wie zum Beispiel zum Umgang mit Scherzen des Redners, zu den unterschiedlichen Sprachebenen, die innerhalb einer Rede oft verwendet werden und zu der Bedeutung der Vorbereitung vor allem bezogen auf Fachvokabular.

Er regte an, dass wir von der Schule aus eine Reise nach Brüssel machen, und das Parlament besuchen. Für mich waren diese Begegnung und die Gelegenheit selber simultan zu übersetzten sehr wertvoll und lehrreich.

Bericht einer Schülerin aus Klasse 11

 

Mehr zur Generaldirektion Übersetzung der Europäischen Kommission:  http://ec.europa.eu/dgs/translation/index_de.htm

Mehr zum diesjährigen Salon Européen de l’Éducation:  http://www.salon-education.com/